Christoph Weisse

fotografie-blog

Dieser Foto-Blog berichtet aktuell über interessante Erfahrungen, Neuheiten und Ideen in der Landschafts- und Naturfotografie.

 

Colorado Herbst-Impressionen

Die goldene Jahreszeit gilt im höchstgelegenen US-Bundesstaat als Geheimtipp unter Landschaftsfotografen: Jedes Jahr in dieser Zeit leuchten die Espenwälder zwischen dem Rocky Mountain National Park im Norden und den Ausläufern des San Juan Gebirges im Südwesten Colorados in leuchtenden Farben vor allem in den Laubfärbungen gold, orange, purpur, weniger in rot. Dieses Phänomen ist auch als “Indian Summer” bekannt. Die Landschaften Colorado’s sind gerade in dieser Jahreszeit sehr vielfältig und malerisch. Neben den klassischen und bekannten Touren gibt es in Colorado auch weniger bekannte Möglichkeiten, die bunte Blätterpracht zu geniessen. Besonders schön sind nach meiner Erfahrung die folgenden Straßenführungen (Scenic Byways) und Orte: Von Denver aus kommend bietet sich in jedem Fall eine Tour zum Rocky Mountain National Park nordwestlich von Denver an. Dieser Park wird als eines der grossen Naturwunder auf der Welt bezeichnet. Die Trail Ridge Road windet sich über fast 80 Kilometer und ist eine der höchstgelegenen Straßen im Land. Sie führt vorbei an Wiesen und durch üppig bewachsene Bergtäler hinauf in die arktische Tundra der Kontinentalkluft. Die Stadt Estes Park bietet eine wunderbare Aussicht auf den 4.400 Meter hohen Longs Peak. Das Dorf Grand Lake ist ein bezauberndes, hundert Jahre altes Resort mit Hütten, Holzstegen und Bootsverleih. Schliesslich geht es erst zurück in Richtung Denver und dann über die I70 nach Westen. Über Glenwood Springs kommt man zum noblen Wintersportort Aspen, in dessen Nähe die Maroon Bells liegen - eine der grossen Ikonen der Landschaftsfotografie. Danach geht es über den Highway 82 über Carbondale auf den Highway 133 und den West Elk Loop in Richtung McClure Pass. Auf dem Weg dorthin liegt die Abzweigung nach Marble, das über die CR 3 leicht zu erreichen ist. Marble ist vor allem wegen der in der Nähe liegenden Crystal Mill bekannt geworden: Hinter Marble geht es auf eine schmale, felsige und nur mit 4WD und entsprechender Bereifung (!!) befahrbare Bergstrasse, auf der man die Crystal Mill nach 45 Minuten erreicht. Die beste Tageszeit zum fotografieren ist im September zwischen 14:30 und 16:30. In Marble kann man bei Bedarf zu vernünftigen Preisen eine Jeeptour buchen, eine Reservierung ist allerdings empfehlenswert. Für die Übernachtung empfiehlt sich die historische Beaver Lake Lodge. Weiter geht es über den Highway 133 zum McClure Pass, der besonders im Herbst einige attraktive Motive bietet, mit den Zäunen der Vieh-Corrals im Vordergrund und endlosen Laubwäldern in gelber Herbstfärbung im Hintergrund. Vom Highway 133 geht es hinter dem Paonia State Park auf die CR12, die auf einer landschaftlich äusserst reizvollen, nicht geteerten Höhenstrasse über den Kebler Pass nach Crested Butte führt. Das ist eine absolute “Prime Location”, um die farbigen Aspen Trees im Herbst zu fotografieren. Sehr schöne Motive findet man z.B. am Milemarker 20 nahe dem Horse Ranch Park mit spektakulären mächtigen weissen Baumstämmen vor dem Hintergrund der Berge. Als beste Tageszeit zum fotografieren eignet sich hier späte Nachmittag. Einige Stunden Fahrzeit von Crested Butte entfernt liegen die San Juan Mountains, mit den aus meiner Sicht zu empfehlenden Standorten Ouray oder Ridgway. Ouray ist etwas grösser und als “Switzerland from America” bekannt, weil die Berge dort der alpinen Landschaft der Schweiz ähneln. Wir starten in Ridgway und folgen der CO62 nach Westen. Hier gibt es eine Vielzahl von interessanten Spots und Locations - ich rate dazu, je nach zur Verfügung stehender Zeit - zunächst den drei Countryroads CR5, 7 und 9 zu folgen, die alle von der CO62 abbiegen und eine grosse Zahl an einzigartigen Motiven bieten. Meistens ist man hier ganz allein unterwegs. Folgt man dann der CO62 weiter in Richtung Telluride, kommt man an die sogenannte “Dallas Divide”, mit herrlichen Blick auf die Sneffel Mountains. Die Dallas Divide ist eine absolute “Prime Location”, liegt allerdings direkt an der Strasse und ist meistens mit entsprechendem Verkehr und Menschen verbunden. Hinter der Passhöhe der Dallas Divide kommt man nach einer Meile links zur Abzweigung an die “Last Dollar Road”, eine etwa 20 Meilen lange, nicht asphaltierte Schotterstrasse,die durch wunderschöne Landschaften führt und schliesslich auf der nach Telluride führende CO145 endet. Nach etwa 9 Meilen kommt man auf der “Last Dollar Road” an die Stelle, wo die Strasse die Hochebene verlässt und in steilen Serpentinen und der Wilson Bergkette im Hintergrund sich in das Tal hinunterwindet. Die Gegend hier ist extrem fotogen, aber speziell im Herbst auch gut besucht.

Weitere Fotos findet ihr in der folgenden Galerie.