Christoph Weisse

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Dieser Foto-Blog berichtet aktuell über interessante Erfahrungen, Neuheiten und Ideen in der Landschafts- und Naturfotografie.

 

Bericht in der Aargauer Zeitung

Die Aargauer Zeitung hat einen Artikel über meine Arbeit als Fotograf veröffentlicht. Näheres findet man unter dem folgenden LINK:

Christoph Weisse bereist mit seiner Kamera die ganze Welt – am liebsten einsame Orte. 

«Ich habe einen fast unstillbaren Hunger an Bildern», sagt Christoph Weisse ernst aber mit einem Schmunzeln. Der 54-Jährige kommt gerade zurück von einer Reise nach Miami. Weisse, der nebenberuflich als Fotograf arbeitet, steht in seinem Fotostudio. Dieses befindet sich im alten Schulhaus von Mönthal. «Es ist toll hier. Der Raum, der früher ein Klassenzimmer war, hat einen ganz eigenen Charakter», sagt er und geht in Richtung Nebenzimmer. Hier sei früher das Lehrerzimmer gewesen. «Darin befand sich das alte Telefon», erklärt Weisse begeistert, als er die Schublade eines Wandschranks aufmacht.

Weisse hat einen Blick für ungewöhnliche Dinge. Eines seiner Lieblingsthemen seien verlassene Orte. «Mich hat die Ästhetik des Morbiden schon immer fasziniert», sagt er. Weisse sitzt mit verschränkten Beinen in einem grünen Sessel und trinkt Kaffee. Die Fotografie sei ursprünglich als Ausgleich zu seinem Beruf gedacht gewesen. «Ich wollte der schnelllebigen Welt etwas entgegensetzen und mir bewusst Zeit nehmen, besondere Ort in der Natur zu fotografieren», erklärt der Fotograf. Dafür brauche man aber viel Geduld und Ruhe, «man muss die Langsamkeit entdecken.»

Vom Kunstmaler zum Fotografen

Weisse wurde in Deutschland geboren. Seine Eltern arbeiteten beide als Architekten. «Aus diesem Grund habe ich oft gezeichnet. Dabei habe ich gelernt, wie man richtig sieht», sagt er. 1984 kam Weisse in die Schweiz, um Kunstmalerei und Bildhauerei in Basel zu studieren. Als er sein Studium 1989 abgeschlossen hatte, wollte er nach Wien. «Früher hatte man das Gefühl, in Wien hörte die Welt auf. Als sich dann im Jahr 1989 die Grenzen öffneten, kamen mit einmal viele Menschen aus der Slowakei, Tschechien und Ungarn in die Stadt», sagt der Fotograf. «Ich hatte das Gefühl, dass sich dort das Leben abspielt und dass ich unbedingt dort hin will», fährt er fort.

In Wien unterrichtete er Malerei und arbeitete ausserdem mit einer Gruppe von Malern, die Innenräume unter anderem mit Trompe-l’œil-Malerei gestalteten. «Zehn Prozent unserer Einnahmen verschenkten wir an osteuropäische Länder. In Rumänien und auch Tschechien haben wir sogar einige Schulen kostenlos renoviert und bemalt.»

Später hat Weisse Betriebswirtschaft in Zürich studiert. «Auch wenn man es vielleicht nicht erwartet, aber in der Kunst muss man komplexe Zusammenhänge verstehen und in Prozessen denken, was vergleichbar ist mit dem, was ein Manager macht», sagt er. Nach dem Studium wurde er von einem Unternehmen angefragt, das seinen Sitz in der Schweiz hat. «Ich habe die Schweiz schon immer als meine Heimat gesehen, obwohl ich nur vier Jahre hier studiert habe. Ich kann das auch nicht so genau erklären», sagt Weisse und lacht. Für ihn sei deshalb klar gewesen, dass er das Angebot annimmt. Seit fast 30 Jahren lebt Weisse, der 2012 eingebürgert wurde, mit seiner Familie nun schon in der Schweiz.

Der 54-Jährige ist beruflich viel unterwegs. Immer mit dabei ist die Kamera. «Eines Tages habe ich einfach einmal bei einem befreundeten Fotografen gefragt, ob er mich mitnimmt, damit ich das Handwerk der Fotografie lernen kann», sagt Weisse. Heute sei er mit seiner Kamera auf der ganzen Welt unterwegs. «Ich war schon auf allen fünf Kontinenten. Wenn ich nicht reisen kann, werde ich unruhig», erklärt der Fotograf. Oft reist seine Frau mit. Von der Familie erfahre er viel Verständnis und Unterstützung. Weisse, der heute in einem amerikanischen Unternehmen für die Betreuung von strategischen Kunden zuständig ist, ist an den Wochenenden und am Abend jeweils als Fotograf tätig.

Die Bürgermeisterin von Las Vegas

Pro Jahr fliegt Weisse über 100 000 Meilen. Freie Projekte, wie er sie beispielsweise mit den «Verlassenen Orten» thematisiert hat, seien für einen Fotografen sehr wichtig, um das Auge schulen und sich selbst weiterentwickeln zu können. Besonders zu Amerika hat er eine besondere Verbindung: «Ein Teil meiner Familie lebt dort. Meine Cousine war die Bürgermeisterin von Las Vegas», erklärt er. Dann erhebt er plötzlich seine Stimme, als er über den Präsidenten Donald Trump spricht. «Ich mache mir grosse Sorgen, dass sich andere Länder nach dem Vorbild von Trump isolieren und den kulturellen Dialog verlieren», betont er.

Er setzt sich für Mönthal ein

Auch für Mönthal, seinem Wohnort, setzt sich Weisse ein. «Ich unterstütze hier die Arbeit am Standortmarketing. Ich bin der Region einfach dankbar und möchte etwas zurückgeben», sagt er. Es sei ein Privileg, dass jeder in der Schweiz politisieren kann. «Durch das Reisen habe ich schon viel gesehen und bin mir bewusst, wie privilegiert es ist, hier leben zu dürfen. Andere Menschen auf der Welt sterben für das Recht der freien Meinungsäusserung und für die Mitbestimmung. Deshalb ist es für mich selbstverständlich, dass ich mich für die Allgemeinheit engagiere und für meine Wohngemeinde einsetze», fährt er fort.

Neben den «lost places» fotografiert Weisse am liebsten Menschen. «Jeder Mensch trägt etwas Schönes in sich. Meine Aufgabe als Fotograf ist es, dies nach aussen sichtbar zu machen», sagt er. Neben der Porträt-und Businessfotografie hat es ihm vor allem auch die Bühnenfotografie angetan. Beim Jungen Theater Basel steht er teilweise selbst mit den Schauspielern auf der Bühne, um zu fotografieren. «Das ist eine ungewöhnliche Technik, aber so kann ich den perfekten Moment einfangen.» Die künstlerische Ausbildung hilft Weisse auch noch heute. «Ich habe gelernt, ein Bild richtig zu komponieren, mit dem Licht zu gestalten und – vor allem – geduldig zu sein», erklärt er. Deshalb wartet er beispielsweise bei einem Motiv durchaus auch mehrere Tage, bis alles stimmt. «Ich habe die Fähigkeit, das Licht so einzufangen, dass es die Menschen berührt. Das ist meine Handschrift.»

Nach einem speziellen Motiv, einem verlassenen Ort, habe er auch schon zehn Jahre gesucht. Der Fotograf, der selbst nicht gerne vor der Kamera steht, hält nichts von Bildmontagen. «Photoshop finden Sie auf meinem Computer nicht», sagt er und lacht. Für die Zukunft wolle er sich noch mehr im Bereich der Fotografie weiterentwickeln. «Mit Bildern erklärt man ein Stück weit die Welt. Daraus entsteht für mich als Fotografen eine grosse Verantwortung. Es gibt so viel Schönes, man muss es nur sehen.»

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© Text Timea Hunkeler, Aargauer Zeitung